Erweiterung Gymnasium Türkheim

Erweiterung Joseph-Bernhart-Gymnasium Türkheim
Irsinger Str. 7, 86842 Türkheim

Erweiterung mit 18 Klassenräumen und einer Zweifach-Sporthalle

Bauherr
Zweckverband Gymnasium Türkheim

Leistungsumfang
LPH 1-4 HOAI als Generalplaner mit Funktionalausschreibung
LPH 5-9 als Teilleistung
Umfang Generalplanung: Objektplanung, Tragwerksplanung, TGA, Brandschutz, Bauphysik

Kenndaten
NF Neubau 2.893 m², BGF Neubau 4.028 m²

VGV Zuschlag 11|2025
Planungsbeginn 11|2025
Ausführung 04|2027 bis 12|202

© Visualisierungen - LMJD

Projektbeschreibung

Das Joseph-Bernhart-Gymnasium (JBG) in Türkheim im Landkreis Unterallgäu wird schrittweise erweitert: Vom derzeit dreizügigen Gymnasium entwickelt es sich bis zum Schuljahr 2031/32 zu einem vierzügigen Gymnasium. Dann werden dort voraussichtlich rund 1.049 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
Um dem Bedarf an zusätzlichen Klassenräumen, Verwaltungsräumen, Pausenflächen und Sporteinheiten gerecht zu werden ist eine Erweiterung des im Jahre 2014 generalsanierten Gymnasiums erforderlich.

Durch die bestehenden Nutzungen bedingt, steht für die Erweiterung des Gymnasiums lediglich die Fläche südlich der Schulanlage zur Verfügung.
In verschiedenen Varianten wurde in Abstimmung mit der Schule und dem Bauherrn eine Lösung gesucht, die das Bauen im laufenden Betrieb gewährleistet und gleichzeitig die Maßnahmen im Bestand reduziert.

Die Erweiterung des JBG wird als zweigeschossige Schule ohne Unterkellerung geplant, die sich in Ost-West-Richtung orientiert. Der Baukörper entspricht der Gebäudeklasse 3 nach BayBO Art. 2 (3) und wird aufgrund der Schulnutzung als Sonderbau eingestuft.
Die Geschosshöhen werden aus dem Bestand aufgenommen, um einen barrierefreien Übergang in beiden Geschossen EG und OG über zwei Anschlussbauteile zu gewährleisten.

Gebäudekonzept

Der Erweiterungsbau folgt einer klaren architektonischen Struktur und gliedert die schulischen Nutzungen sowie die Sporthalle in zwei eigenständige Funktionsbereiche. Durch diese Trennung wird einerseits eine unabhängige Nutzung der Sporthalle ermöglicht, andererseits werden Lärm- und Störeinflüsse auf den Schulbetrieb minimiert.
Die ringförmige Anordnung der Klassenräume um den zentralen hölzernen Sanitärkern und die beiden Treppenhäuser schafft eine klare Gebäudestruktur und eine gute Orientierung. Der über ein Dachoberlicht natürlich belichtete Luftraum mit Sitztreppe, Bibliothek und Differenzierungsbereich bildet das räumliche Zentrum des Erweiterungsbaus und verbindet beide Geschosse miteinander. Großzügige raumhohe Verglasungen sorgen für helle Unterrichtsräume mit hochwertigen Blickbeziehungen. Dachüberstände und außenliegende Textilscreens gewährleisten einen wirksamen sommerlichen Sonnenschutz. Die warmen Holzoberflächen des Sanitärkerns setzen einen identitätsstiftenden Akzent innerhalb der hell gestalteten Erschließungsbereiche und tragen gemeinsam mit den aufgeweiteten Aufenthaltsflächen zu einer hohen innenräumlichen Qualität bei.

Konstruktion

Das Tragwerkskonzept berücksichtigt die unterschiedlichen konstruktiven Anforderungen von Schulgebäude und Sporthalle und kombiniert die Vorteile von Stahlbeton- und Holzbauweise. Die Sporthalle wird mit einer Bodenplatte sowie Außenwänden aus Stahlbeton ausgeführt. Die Dachkonstruktion besteht aus weitspannenden Holzfachwerkträgern mit aufliegenden Brettsperrholzplatten (CLT), wodurch die erforderlichen Spannweiten wirtschaftlich und ressourcenschonend realisiert werden.
Der Schulbereich wird – mit Ausnahme der Bodenplatte aus Stahlbeton – vollständig in Holzbauweise errichtet. Die tragenden Innenwände werden überwiegend als Holzständerkonstruktionen ausgebildet. Im Bereich des zentralen Sanitärkerns sowie der Umkleiden kommen aufgrund der erhöhten statischen und funktionalen Anforderungen tragende Wände aus Brettsperrholz (CLT) zum Einsatz.
Die Geschossdecken werden als Holzrippendecken im Achsraster von 1,25 m ausgeführt. Dieses regelmäßige Konstruktionsraster setzt sich in der Fassadenkonstruktion fort. Die Außenwände werden überwiegend durch Holzstützen in Verlängerung der Deckenrippen getragen, während geschlossene Wandbereiche als Brettsperrholzwände ausgebildet werden. Eine vorgelagerte Stahlkonstruktion übernimmt die Lastabtragung der Vordächer und dient in Teilbereichen gleichzeitig als Tragstruktur für den Fluchtbalkon.

Das Konstruktionskonzept verfolgt das Ziel, den Einsatz von Stahlbeton auf das konstruktiv notwendige Maß zu reduzieren. Stahlbeton kommt ausschließlich bei erdberührten Bauteilen sowie dort zum Einsatz, wo brandschutztechnische Anforderungen dies erfordern. Sämtliche oberirdischen Bereiche des Schulgebäudes werden konsequent in Holzbauweise ausgeführt.
Dies umfasst neben den tragenden Wand- und Deckenkonstruktionen auch den Aufzugsschacht, der vollständig in Holzbauweise realisiert wird.
Die konsequente Anwendung eines durchgängigen Konstruktionsrasters sowie der hohe Anteil an Holzbauelementen ermöglichen einen hohen Vorfertigungsgrad. Dadurch können Bauzeiten verkürzt, die Bauqualität gesteigert und die Belastungen auf der Baustelle reduziert werden. Gleichzeitig leistet die materialeffiziente Holzbauweise einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Reduzierung der grauen Emissionen des Gebäudes.

Umgang mit dem Bestand

Die Maßnahmen im Bestand sollen auf ein Minimum reduziert werden. Teilweise werden durch die neue Grundrisskonzeption des Erweiterungsbaus nur Raumumwidmungen im Bestand vorgenommen.
Der ursprüngliche südliche Erweiterungsbau aus dem Jahr 2005 ist stark sanierungsbedürftig und kann den Anforderungen an den Raumbedarf nicht gerecht werden. Deshalb wird dieser rückgebaut und gleicher Stelle mit dem Neubau angeschlossen.
Da mit dem Erweiterungsbau teilweise an Flucht- und Rettungswege aus dem Bestand angeschlossen wird, werden für die Bauphase Konzepte entwickelt, um eine nahtlose Nutzung
dieser zu gewährleisten.